Schlagwort: Tarifpolitik

Kommentar: Aufschwung XL? Jetzt höhere Löhne!

23. Oktober 2010  Kommentare

Wirtschaftsminister Brüderle redet vom “XL-Boom” und jubelt: “Der Aufschwung ist da, und zwar mit voller Kraft.” Sicher, kaum ein entwickeltes Industrieland hatte im ersten halben Jahr ein so hohes Wachstum wie Deutschland. Und es wäre schön, wenn es so weiter ginge. Jedoch ist der jetzige Aufschwung zunächst einmal nur die Erholung vom tiefen Absturz im Jahr 2009. Wenn es gut läuft sind wir frühestens Ende 2011 wieder auf dem Stand vor der Krise.

Das Wachstum 2010 von 3,5 Prozent hängt zu einem Fünftel an der Auffüllung der Lager. Dies wird sich jedoch nicht fortsetzen. Der größte Teil des Aufschwungs ist vor allem Resultat der massiven Steigerung der Exporte. Insofern ist der Aufschwung vor allem Obama und den Chinesen zu verdanken. Nicht Herrn Brüderle! In den USA, China und auch andernorts wurden in der Krise billionenschwere Konjunkturprogramme aufgelegt und so die Weltwirtschaft angekurbelt. Aber auch das wird sich nicht fortsetzen. Und in Deutschland läuft jetzt ein Konjunkturprogramm aus, das vollkommen unterdimensioniert war. Insofern steht die Zukunft auf wackeligen Beinen. Ganzen Beitrag lesen »

Kommentar: Stärkung der Tarifmacht – notwendige Debatte steht aus

26. Juli 2010  Kommentare

Das Bundesarbeitsgericht hat den Grundsatz der Tarifeinheit aufgegeben. DGB/BDA haben unverzüglich gemeinsam Vorschläge an den Gesetzgeber zur Wiederherstellung der Tarifeinheit formuliert. Mittlerweile gibt es eine breite Diskussion von gewerkschaftlich orientierten Arbeitsrechtlern sowie auch zum Teil innerhalb der Gewerkschaften.

Links zum Thema:

Im Nachfolgenden zu diesem Thema ein Kommentar von Michael Schlecht, Werner Dreibus, Klaus Ernst und Ulrike Zerhau:

Stärkung der Tarifmacht – notwendige Debatte steht aus

Das Bundearbeitsgericht hat jüngst einen seit Jahrzehnten gepflegten Grundsatz aufgegeben: Den der Tarifeinheit. In einem Betrieb sollte nur ein Tarifvertrag Gültigkeit haben, auch wenn zwei Gewerkschaften zwei unterschiedliche Vereinbarungen ausgehandelt hatten. Nach bisheriger Rechtsprechung hatte immer der Tarifvertrag mit der “spezielleren” Regelung Vorrang, der den Eigenheiten des Betriebes am besten entsprach.

Bislang gab es immer wieder Fälle, in denen diese Regelung zu massivem Lohndumping genutzt wurde. Besonders gerne haben Unternehmer, die durch einen Flächentarifvertrag gebunden waren, dem sogenannten christlichen Gewerkschaftsbund einen Haustarifvertrag geschenkt. Natürlich hatte dieser deutlich schlechtere Regelungen als der Flächentarifvertrag. Da er aber “spezieller” war, erhielt der Dumpingvertrag Vorrang vor dem Flächentarifvertrag. Mit der Entscheidung des Bundesarbeitsgerichtes ist diesem Lohndumping der Boden entzogen worden. “Insofern sollten die Gewerkschaften die Änderung der Rechtsprechung begrüßen,” so der langjährige Vorsitzende der IG Medien, Detlef Hensche. Wir meinen: Recht hat er! Ganzen Beitrag lesen »

Kommentar: Am Sonntag DIE LINKE wählen und die Gewerkschaften stäken!

24. September 2009  Kommentare

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wenige Tage vor der Bundestagswahl möchte ich aus einer mehr persönlichen Sicht darlegen, weshalb ich kandidiere.

Ich bin Drucker, habe in den 1970er Jahren studiert und bin 1980 in die Tarifabteilung der IG Druck und Papier gegangen. In den 1980er Jahren haben wir viele Erfolge durchsetzen können. Der wichtigste war die Durchsetzung der 35-Stunden-Woche. Geschenkt wurde uns nichts – für alles mussten wir streiken oder zumindest streikbereit sein.

Ab 1993 verschärften sich die Rahmenbedingungen für die Tarifpolitik massiv. Anwachsende Arbeitslosigkeit, Deregulierung und Fortfall der Systemkonkurrenz führten zu einem immer aggressiveren Verhalten der Unternehmer. Unsere Kampfkraft stieg nicht im gleichen Maße. Tarifflucht nahm zu und in Tarifrunden ging es immer häufiger darum Verschlechterungen abzuwehren. Erfahrungen, die auch in vielen anderen Tarifbereichen gemacht wurden. Ganzen Beitrag lesen »