Schlagwort: Finanztransaktionssteuer

Eine Wachstumsstrategie reicht nicht, um Merkozys Trümmerfeld der Euro-Rettung aufzuräumen

09. Januar 2012  Presseerklärungen
megafon

“Dass Merkel und Sarkozy sich über eine Wachstumsstrategie verständigen, ist im Grundsatz zu begrüßen. Eine solche Strategie hilft aber nicht, eine Eskalation der Finanzkrise kurzfristig abzuwenden. Hierfür ist eine direkte Refinanzierung der Staaten durch die Europäische Zentralbank mittels einer öffentlichen Bank für europäische Anleihen nötig”, erklärt Michael Schlecht zum Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy in Berlin. Der Chefvolkswirt der Fraktion DIE LINKE weiter:

“Der deutsche Beitrag zu einer wirksamen Wachstumsstrategie könnte in einem Investitionsprogramm für den sozial-ökologischen Umbau der Gesellschaft im Umfang von 125 Milliarden Euro jährlich bestehen. Ganzen Beitrag lesen »

Kommentar: Stranguliertes Land

21. Juni 2010  Kommentare

Merkel will bis 2016 die Neuverschuldung fast auf null drücken. Wegen der Schuldenbremse. Um dieses Ziel zu erreichen sind die geplanten 80 Milliarden, mit denen bis 2014 vor allem Sozialleistungen sowie Stellen im öffentlichen Dienst gekürzt werden erst die Hälfte der Miete. Für die Jahre 2014 bis 2016 droht der zweite Teil der Sparorgie mit weiteren 80 Milliarden Euro.

Arbeitsministerin von der Leyen übt sich in Panikmache: “Wenn wir nicht wie Spanien, Portugal oder Griechenland an unseren eigenen Schulden ersticken wollen, müssen wir uns schmerzhaften Anstrengung unterziehen. Wenn der Sozialstaat in sich zusammenbricht, dann müssten das auf bittere Weise die Menschen ausbaden, die eigentlich die Hilfe des Sozialstaates bräuchten.”

Das ist grotesk. Die Finanzsituation ist in Deutschland mit der in den europäischen Südländern nicht vergleichbar. Hierzulande droht kein “Zusammenbruch” der Staatsfinanzen. Jedoch droht, dass der Sozialstaat so stranguliert wird, dass er daran erstickt.

Die Staatsschulden steigen nicht, weil zu viele soziale Leistungen vergeben werden. Vielmehr wurden den Banken rund 100 Milliarden hintergeworfen und Steuergeschenke an Reiche verteilt. Hätten wir heute noch die Steuergesetze aus der Zeit Helmut Kohls, würden jedes Jahr 100 Milliarden Euro mehr in die Kasse fließen. Diese Fehlentwicklung will DIE LINKE korrigieren.

Merkels anlaufende Sparorgie ist die gewaltigste Demontage des Sozialstaates in der Geschichte der Bundesrepublik. Dies löst Proteste aus. Am 12. Juni war der Auftakt. 40.000 Menschen gingen in Stuttgart und Berlin auf die Straße. Der heiße Herbst wird folgen. Ganzen Beitrag lesen »

Kommentar: …und jetzt brennt der Euro

12. Mai 2010  Kommentare

Kaum war die Kredithilfe für Griechenland im Parlament durchgepeitscht, verschärfte sich die Spekulation gegen den Euro. Die Sitzung der EU-Minister­präsidenten am Freitagabend wurde zum Krisengipfel. Über das Wochenende musste ein Rettungspaket her. Insgesamt umfasst dies 750 Milliarden Euro. 60 Milliarden direkte Hilfen der EU und 440 Milliarden Euro an Kredithilfen. Zusätzlich stellt der IWF weitere 250 Milliarden Euro bereit.

Merkel ist die Getriebene. Unter dem Druck der Spekulanten ließ sie Vorbehalte unter den Tisch fallen lassen, mit denen sie noch vor wenigen Wochen eine rechtzeitige Hilfe für Griechenland verhindert hat. Im EU-Vertrag sind finanzielle Hilfen, also auch Kredite zwischen den Staaten eigentlich ausgeschlossen. Jetzt hat man eine Ausnahmeregelung uminterpretiert. Bislang war es zudem unvorstellbar, dass die EZB Staatsanleihen der Mitgliedsländer direkt aufkauft und damit stützt. Nach politischem Druck und möglicherweise eigener Einsicht hat jetzt die EZB direkt Staatsanleihen aufgekauft.

Dies sind Schritte in die richtige Richtung. Jedoch sperrt sich die Kanzlerin weiter gegen Eurobonds, um die Zinsen zu drücken. Auch sind bislang keine Schritte erkennbar die Spekulation zu unterbinden, die alles nur noch schlimmer bzw. teurer macht. Vor allem: den tieferliegenden Ursachen wird nicht Rechnung getragen.

  • Deutsche Unternehmer haben aufgrund des deutschen Lohndumpings seit 2000 einen Außenhandelsüberschuss von 1,3 Billionen Euro erzielt. Dies führte zu einer Verschuldung anderer Länder, dies sich mittelbar auch in Gestalt von wachsenden Staatsdefiziten auswirkte. In Europa sind dies vor allem die Südländer. Deshalb geraten sie auch als erste ins Visier der Finanzmärkte.
  • Hinzu kommt, dass die Verschuldung der großen Industriestaaten im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise dramatisch angestiegen ist. Allein in Deutschland geht die Hälfte der neuen Schulden von 180 Milliarden Euro seit 2008 auf das Konto der Bankenrettung. In anderen Ländern sieht die Lage viel dramatischer aus.

Wir brauchen vor allem eine Wirtschaftspolitik, die auf außenwirtschaftlichem Gleichgewicht beruht. Die Binnennachfrage muss in Deutschland angekurbelt werden durch höhere Löhne und staatliche Investitionsprogramme. Außerdem muss die Verschuldung bekämpft werden. DIE LINKE hat in der Krise schon immer gefordert, dass die Reichen die Kosten der Krise bezahlen sollen. Stattdessen wurde alles auf Pump finanziert.

Die Reichen sind zu reich und die Staaten zu arm. Wegen des Lohndumpings und der vielen Steuergeschenke. Ungerecht war das schon immer, jetzt wird es zum wirtschaftspolitischen Problem.

Wir brauchen eine massive Besteuerung von Reichen und Vermögenden. Zum Beispiel durch die Millionärsteuer. Sie bringt allein 80 Milliarden Euro. Und die Finanztransaktionsteuer, die in Deutschland mehr als zehn Milliarden Euro einbringen kann, europaweit 70 Milliarden. Darüber hinaus muss geprüft werden, ob die generelle Beschneidung der Forderungen der Gläubiger gegen Euro-Staaten machbar ist – und zwar europaweit. Auch hierzu brauchen wir die Vergesellschaftung der privaten Banken.

„Das muss der Staat nicht hinnehmen“: Finanzexperten der Parteien über Zockerei und die Macht der Banken – eine Umfrage

05. Mai 2010  Presseecho & Interviews

Hessisch-Niedersächsische Allgemeine vom 05.05.2010

In einem HNA-Interview (gestrige Ausgabe) hat der Berliner Wirtschaftsrechtler Prof. Hans-Peter Schwintowski eine Transaktionssteuer auf Bankgeschäfte befürwortet – „vorausgesetzt, das Geld wird zweckgebunden verwendet – in einen Sicherungsfonds für die Finanzwirtschaft“.

Zur Macht der Banken erklärte er: „Reine Wetten, wie auf die Entwicklung von
Indizes oder auf die Zahlungsfähigkeit eines Staates, haben nichts mehr mit der eigentlichen Aufgabe der Banken zu tun, nämlich die Wirtschaft mit Geld zu versorgen. Diese Wetten sollten verboten werden.“

Wir fragten die finanz- und rechtspolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen nach ihrer Meinung zu den Schwintowski-Forderungen. Hier Auszüge:

Michael Schlecht, Chefvolkswirt der Linken-Fraktion, erklärte unter anderem:
Die Spekulation mit Credit Default Swaps (Kreditausfallversicherungen) treibt Zinsen hoch und Euro-Staaten in den Bankrott. Zocker versichern sich gegen einen Staatsbankrott, obwohl sie gar keine Staatsanleihen besitzen. Das
ist wie eine Feuerversicherung eines Brandstifters auf das Haus des Nachbarn. Spekulanten verdienen somit an der Staatsverschuldung, die sie angerichtet
haben. Wir fordern ein Verbot finanzieller Massenvernichtungswaffen (USInvestor Warren Buffet) und eine Finanztransaktionssteuer.
Die Finanzmärkte sollen Investitionen finanzieren, keine Zockerei. Ganzen Beitrag lesen »

Kommentar: Akropolis wackelt, der Euro brennt

03. Mai 2010  Kommentare

Seit Wochen wettern deutsche Medien gegen “den faulen Pleite-Griechen”. Viele sind gegen Hilfen. Das wundert nicht, tragen doch die Beschäftigten den größten Teil der Steuerlast. Und die Regierung stellt Kürzungen von 50 bis 60 Milliarden Euro bis 2016 allein im Bundeshaushalt in Aussicht.

Große Teile der griechischen Bevölkerung haben ähnliche Probleme wie wir in Deutschland. Reiche und Vermögende drücken sich vorm Steuerzahlen. Die Steuersätze sind zu niedrig und lassen zu viele Schlupflöcher offen. Und es werden lieber Steuerbeamte und -fahnder eingespart, anstatt sie auf die Reichen anzusetzen. Gäbe es in Deutschland eine Besteuerung der Reichen wie von Gewerkschaften gefordert, wären 70 Milliarden mehr in der Kasse. Mit dem Steuerkonzept der Linken sogar 160 Milliarden Euro. Gäbe es in Griechenland für Reiche angemessene Einkommen- und Vermögensteuern, die auch bezahlt werden, würde es keine drohende Zahlungsunfähigkeit geben.

Jetzt wird das griechische Volk in einen atemberaubenden Sozialabbau getrieben. Vor allem auf Druck der “eisernen Kanzlerin”. Zusätzlich zu den bereits geplanten Verschlechterungen werden 30 Milliarden Euro weggekürzt. Beschäftigen beim Staat wird das Gehalt um insgesamt 15 Prozent gestrichen. Die Renten werden weiter verschlechtert und die Mehrwertsteuer von 19 auf 23 Prozent angehoben. Und in der Privatwirtschaft will die Regierung den Kündigungsschutz lockern. Die Wirtschaft wird nur noch weiter stranguliert, die Verschuldung droht eher weiter zu steigen.

Der Kampf der griechischen Bevölkerung gegen das Kürzungspaket ist der gleiche Kampf gegen die Umverteilung, den auch wir in Deutschland führen. Ganzen Beitrag lesen »

Kommentar: Griechisch – deutsche Tragödie

27. April 2010  Kommentare

Jetzt wollen die “Pleite-Griechen” (Bildzeitung) doch “unser” Geld. Ist Griechenland aber wirklich pleite? Nein. Das Land könnte auch die nächsten Umschuldungen alleine stemmen. Allerdings zu Wucherzinsen in Höhe von rund zehn Prozent. Diese Zinszahlungen würden die Staatsschulden weiter in die Höhe treiben.

Die Verschuldung Griechenlands ist im Vergleich mit Irland, den USA, Großbritannien und Japan nicht außergewöhnlich hoch. Jedoch hat die griechische Buchhaltung ursprünglich die Neuverschuldung 2009 mit 3,7 Prozent des Bruttoinlandproduktes ausgewiesen, mittlerweile liegt sie bei rund 14 Prozent. Das war der Nährboden für die Spekulation. Sie wurde angeheizt durch die unklare Haltung der deutschen Regierung. Deshalb die jetzigen Wucherzinsen.

Griechenland hat das mit EU und IWF verabredete Kreditpaket beantragt. 15 Milliarden Euro soll der IWF mit höchstens 3,4 Prozent Zinsen bereitstellen. Die EU bringt weitere 30 Milliarden Euro auf, zu fünf Prozent Zinsen. Deutschland soll einen Kreditanteil von 8,4 Milliarden übernehmen. Und ein knackiges Geschäft machen. Wenn Deutschland sich mit rund drei Prozent refinanziert, würden jährlich mindestens 150 Millionen in die deutsche Staatskasse fließen. Gleichwohl verkündet nicht nur die Bildzeitung: “Zahlen wird das auch der deutsche Steuerzahler”. Ganzen Beitrag lesen »

Banken regieren Europa

18. April 2010  Presseerklärungen

„Die EU-Finanzminister werden zunehmend kriminell“, kommentiert Michael Schlecht das informelle Treffen der EU-Finanzminister zur Finanzmarktregulierung. Der Chefvolkswirt der Fraktion DIE LINKE weiter:

„Die Finanzminister sabotieren eine europäische Lösung der Bankenabgabe. Damit wird sich im Wettbewerb der Mitgliedstaaten die billigste Variante durchsetzen. Die Bundesregierung ist Ackermanns fleißigster Komplize in Brüssel.

Sie will die Finanzmärkte nicht regulieren. Die deutsche “Bankenabgabe light” hat Europa ausgebremst. Sie soll die Banken nur gegen den nächsten Crash versichern. Die jährlichen Einnahmen der deutschen Bankenabgabe von 1 Mrd. Euro sind so gering, dass im Zweifel ohnehin wieder die Bevölkerung haftet.

DIE LINKE fordert eine Bankenabgabe nach US-Vorbild, um die öffentlichen Haushalte zu entlasten. Das bringt bis zu 9 Mrd. Euro jährlich. Sparkassen sind von der Abgabe auszunehmen. Die Finanzmarkttransaktionssteuer ist weiterhin unverzichtbar. Die Bevölkerung hat einen Anspruch auf Schutz und Entschädigung.“