Mannheimer Morgen, 26.02.2009
Von unseren Redaktionsmitgliedern Ute Hahnenberger, Heiko Brohm und Thorsten Langscheid
Den Aschermittwoch nutzten SPD, Mannheimer Liste und Linkspartei gestern zum traditionellen politischen Schlagabtausch. Bei der SPD gab es im bis auf den letzten Platz ausverkauften Saal der Arbeiterwohlfahrt an der Murgstraße von der Arbeitsgemeinschaft 60 plus selbst eingelegte Heringsfilets zu den Reden der Kandidaten für die drei Urnengänge des Superwahljahres 2009, Peter Simon (Europa), Stefan Rebmann (Bundestag) und Dr. Stephan Fulst-Blei (Gemeinderat). Die Linkspartei bot im Bürgerhaus Neckarstadt-West ihren Bundestagskandidaten Michael Schlecht auf. Die Mannheimer Liste hatte ins Casino der Mannheimer Versicherung in die Oststadt eingeladen. Festredner war der ehemalige Hochschul-Rektor und Mannheim-Vertreter in Stuttgart, Professor Dr. Dietmar von Hoyningen-Huene.
“Markt alleine bringt es nicht”
“Kommunist muss man wahrlich nicht sein” – Europakandidat Peter Simon nahm den Ball auf, den ihm die frühere Bundestagsabgeordnete Dr. Konstanze Wegner geschickt zugespielt hatte: “Kommunist muss man nicht sein, um zu fordern, dass Unternehmer wie Marie-Elisabeth Schaeffler mit ihrem privaten Vermögen für das Debakel haften, dass sie angerichtet haben, bevor der Steuerzahler zur Kasse gebeten wird!” Der Applaus für diese klaren Worte war ihm beim politischen Aschermittwoch der SPD sicher.
An deutlichen Worten sparte auch der Chef der SPD-Gemeinderatsfraktion, Dr. Stephan Fulst-Blei, nicht, der vor allem mit den Grünen heftig ins Gericht ging: “Diese Partei ist ständig auf der Suche nach dem ‘Nein’”, so Fulst-Blei. Ginge es nach der Umweltpartei, gäbe es keine SAP Arena und keine neue Abendakademie, zwei Beispiele, die deutlich zeigten, “was wir in Mannheim mit Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz voran gebracht haben!”.
Während auf die ML im Gemeinderat “kaum Verlass” sei, müsse man CDU als “Chaos durch Unwissenheit” buchstabieren. Simon, Fulst-Blei und Rebmann (Bild) wiesen auf die Rolle der Stadt hin, die von der Wasserversorgung, die keinesfalls privatisiert werden dürfe, bis hin zu zusätzlichem Schulunterricht im Projekt “Maus” die wichtige Daseins-Vorsorge für die Menschen regle. Viel Lob gab es für die zahlreichen SPD-Mandatsträger, die ihrer Basis an der Murgstraße die Aufwartung machten.
“Studentenzahl darf nicht sinken”
Fernab von aschermittwochlichem Wahlkampfgetöse widmete sich die Mannheimer Liste bei ihrem Heringsessen dem Thema Bildung. Der stellvertretende ML-Vorsitzende Holger Polomski und der ML-Spitzenkandidat bei der Kommunalwahl, Prof. Achim Weizel, begrüßten als Gastredner Prof. Dietmar von Hoyningen-Huene (Bild). Der frühere Rektor der Hochschule Mannheim sprach über die Bevölkerungsentwicklung und ihre Folgen für die Hochschulen. Er zeigte das Szenario auf, auf das sich Deutschland bis 2050 einstellen muss: eine schrumpfende Gesamtbevölkerung bei dramatischen Altersverschiebungen. Da aber schon heute im Vergleich zu anderen Ländern in Deutschland zu wenige junge Menschen ein Studium erfolgreich absolvierten, müsse dringend gehandelt werden – denn zu wenige Akademiker seien eine klare Wachstumsbremse. Für wichtig hält von Hoyningen-Huene etwa die Umstellung auf Bachelor und Master, die Internationalisierung der Studiengänge, die Konzentration auf zukunftsweisende Studiengänge und berufsbegleitende Weiterbildung. Die Mannheimer Hochschulen sieht er auf diesem Weg schon recht weit.
“Millionäre sollen Zeche zahlen”
Mit etwas Verspätung hat im Neckarstädter Bürgerhaus der politische Aschermittwoch der Linken begonnen – dafür blieb zu Beginn mehr Zeit für den selbst eingelegten Hering von Gemeinderatskandidatin Marianne Marten. Klare Worte fand ihr Kollege Thomas Trüper zur Wirtschaftskrise: “Ein gewaltiger Kater geht um – der Kater des Kapitalismus, der vor allem Beschäftigte kosten wird.” Dagegen helfe nur massiver Widerstand, und dass die Profiteure des Profitrausches mit einer Millionärssteuer zur Kasse gebeten werden, so Michael Schlecht (Bild), Direktkandidat für den Bundestag.